Netflix schickt mit Kacken an der Havel eine deutsche Comedyserie ins Rennen, die schon mit ihrem Titel klarstellt, dass hier niemand auf Nummer sicher gehen will. Der Name ist laut, der Ton direkt und das Setting bewusst weit weg von Großstadtglanz oder hipper Berlin Kulisse. Stattdessen geht es an die Havel, mitten rein in Provinz, Frust und absurde Alltagssituationen.
Die Serie erzählt von Menschen, die feststecken. In ihrem Ort, in ihren Beziehungen und oft auch in ihren eigenen Erwartungen. Der Humor ist derb, manchmal unangenehm ehrlich, aber genau darin liegt der Reiz. „Kacken an der Havel“ will nicht gefallen, sondern auffallen und das klappt erstaunlich gut.
Provinz statt Hauptstadtfilter
Während viele deutsche Serien versuchen, möglichst glatt und modern zu wirken, geht diese hier den entgegengesetzten Weg. Brandenburg wird nicht beschönigt, sondern liebevoll respektlos gezeigt. Kleinstadtmentalität, Langeweile und das Gefühl, dass woanders immer mehr passiert, ziehen sich durch jede Folge.
Der Witz entsteht weniger aus klassischen Gags, sondern aus Situationen, die vielen bekannt vorkommen dürften. Zu große Träume, zu wenig Raum. Zu viel Meinung, zu wenig Perspektive. Das Ganze wird mit einer ordentlichen Portion Selbstironie serviert.

Fatoni als trockener Mittelpunkt
Mit Fatoni in der Hauptrolle setzt Netflix auf ein bekanntes Gesicht aus der deutschen HipHop Szene. Fatoni spielt keinen klassischen Sympathieträger, sondern eine Figur, die oft genervt ist, sich selbst im Weg steht und genau deshalb glaubwürdig wirkt.
Sein Humor ist trocken, manchmal bewusst sperrig, aber immer sehr präzise. Wer ihn aus seiner Musik kennt, wird viele Parallelen entdecken. Wer ihn noch nicht kennt, bekommt hier einen guten Einstieg.
Frech, bewusst drüber und ziemlich deutsch
„Kacken an der Havel“ ist keine Serie für nebenbei. Sie ist laut, manchmal albern, manchmal überraschend treffend und hat keine Angst davor, peinlich zu sein. Netflix zeigt damit Mut zur Reibung und bringt eine Comedy an den Start, die eher aneckt als umarmt.
Ob die Serie ein breites Publikum erreicht oder eher Kultstatus bekommt, bleibt offen. Sicher ist nur: Ignorieren lässt sie sich kaum. Und vielleicht ist genau das ihr größter Erfolg.
