Als Adolescence auf Netflix startete, war schnell klar, dass diese Serie mehr sein wollte als nur ein weiteres Drama im Streaming-Alltag. Mit ihrem kompromisslosen One-Shot-Ansatz, der dichten Atmosphäre und einem emotionalen Vater-Sohn-Konflikt traf sie einen Nerv. Umso größer ist nun die Ernüchterung für viele Fans: Eine zweite Staffel scheint so gut wie ausgeschlossen.
Ein Erfolg ohne Fortsetzung
Gemessen an Zahlen und Auszeichnungen hätte „Adolescence“ eigentlich beste Voraussetzungen für eine Fortsetzung gehabt. Die Serie wurde millionenfach gestreamt, sammelte Preise ein und war bei Kritikerinnen und Kritikern ebenso beliebt wie beim Publikum. Dennoch hat Autor und Showrunner Jack Thorne nun sehr deutlich gemacht, dass es keine zweite Staffel geben wird. Zumindest nicht in der bekannten Form.
In einer britischen Talkshow stellte Thorne klar, dass die Geschichte der Familie Miller abgeschlossen sei. Es gebe keine Pläne, Eddie und Jamie erneut in den Mittelpunkt zu stellen. Auch Spekulationen über eine mögliche Rückkehr in ein paar Jahren wies er entschieden zurück. Die Serie sei bewusst als in sich geschlossene Erzählung konzipiert worden.
Warum das Ende Teil des Konzepts ist
„Adolescence“ erzählt von einem traumatischen Verbrechen, von Schuld, Sprachlosigkeit und gesellschaftlichen Spannungen. Im Zentrum steht Jamie Miller, der nach dem tödlichen Messerangriff auf eine Mitschülerin verhaftet wird, sowie sein Vater Eddie, gespielt von Stephen Graham. Die Serie lebt davon, den Zuschauer ohne Unterbrechung durch diese Eskalation zu führen. Genau hier liegt auch der Grund, warum eine zweite Staffel schwierig wäre.
Das One-Shot-Format ist nicht nur ein technischer Gimmick, sondern ein erzählerisches Statement. Es zwingt zur Konfrontation, lässt keine Flucht zu und verstärkt das Gefühl von Ausweglosigkeit. Eine Fortsetzung mit denselben Figuren würde dieses Konzept zwangsläufig aufweichen oder wiederholen. Beides wollte Thorne offenbar vermeiden.

Offenheit für Neues, aber nicht für Staffel zwei
Ganz ausschließen will Thorne zukünftige Projekte mit dem kreativen Kernteam allerdings nicht. Er betonte mehrfach, wie gern er erneut mit Graham arbeiten würde. Auch das experimentelle Erzählformat reizt ihn weiterhin. Denkbar sei ein neues Projekt, das ebenfalls auf langen, ungeschnittenen Einstellungen basiert, aber eine völlig andere Geschichte erzählt. Konkrete Pläne gibt es dafür jedoch nicht.
Auch Graham selbst hatte in der Vergangenheit vage Andeutungen gemacht, dass irgendwo im Hinterkopf noch Ideen schlummern könnten. Diese Aussagen haben bei vielen Fans Hoffnungen geweckt. Thorne hat diese Erwartungen nun jedoch deutlich gedämpft und klargestellt, dass aktuell nichts existiert, woran gearbeitet wird.
Die Stärke der Einmaligkeit
Ein Grund, warum „Adolescence“ so stark wirkt, ist gerade seine Begrenzung. Die Serie verweigert einfache Antworten und verzichtet auf klassische Auflösung oder moralische Erleichterung. Stattdessen bleibt ein Unbehagen zurück, das lange nachwirkt. Eine zweite Staffel hätte dieses Gefühl möglicherweise relativiert oder erklärt, wo bewusst Leerstellen gelassen wurden.
Auch Hauptdarsteller Owen Cooper, der als Jamie Miller für viel Aufmerksamkeit sorgte, profitiert von dieser klaren Zäsur. Seine Figur bleibt im Gedächtnis, ohne auserzählt oder ausgeschlachtet zu werden.
Enttäuschung für Fans, klares Signal der Macher
Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ist das Ausbleiben einer zweiten Staffel dennoch eine bittere Nachricht. In einer Zeit, in der erfolgreiche Serien oft endlos verlängert werden, wirkt diese Entscheidung fast ungewohnt konsequent. Gleichzeitig sendet sie ein starkes Signal: Nicht jede Geschichte braucht eine Fortsetzung, nur weil sie erfolgreich ist.
„Adolescence“ bleibt damit ein abgeschlossenes Werk, das genau durch diese Endgültigkeit an Kraft gewinnt. Wer die Serie noch nicht gesehen hat, findet sie weiterhin bei Netflix. Und wer auf eine zweite Staffel hofft, muss sich wohl damit abfinden, dass manche Geschichten besser wirken, wenn sie genau dort enden, wo sie begonnen haben, mit maximaler Wucht und ohne Wiederholung.
