Body-Horror ist ein Genre, das selten den Weg ins breite Mainstream-Publikum findet. Zu drastisch, zu körperlich, zu unbequem sind viele seiner Motive. Umso bemerkenswerter ist es, dass mit „The Substance“ nun einer der meistdiskutierten und gefeiertsten Horrorfilme der letzten Jahre bei einem großen Streamingdienst angekommen ist. Seit dem 1. Januar 2026 ist der Film von Coralie Fargeat bei Paramount+ verfügbar und erreicht damit ein deutlich größeres Publikum als noch bei seinem Arthouse-Start.
„The Substance“ ist kein Film, der sich leicht konsumieren lässt. Er fordert heraus, provoziert und zwingt zur Auseinandersetzung mit Themen, die im Kino oft ausgeklammert werden. Altern, Körperbilder und gesellschaftlicher Leistungsdruck stehen im Zentrum einer Geschichte, die Horror nicht als Selbstzweck versteht, sondern als Spiegel unserer Gegenwart.
Demi Moore und Margaret Qualley im Zentrum des Grauens
Im Mittelpunkt von „The Substance“ steht Elizabeth Sparkle, gespielt von Demi Moore. Sie ist eine einst gefeierte TV-Ikone, deren Karriere langsam verblasst. In einer Welt, in der Jugend und Perfektion als ultimative Währung gelten, greift Elizabeth zu einer radikalen biotechnologischen Methode, um sich selbst zu optimieren. Das Ergebnis ist Sue, verkörpert von Margaret Qualley, ein jüngeres, makelloses Abbild ihrer selbst.
Die Beziehung zwischen diesen beiden Figuren ist keine klassische Rivalität. Vielmehr entfaltet sich ein verstörendes Zusammenspiel aus Sehnsucht, Selbsthass und Identitätsverlust. Moore spielt Elizabeth mit einer Offenheit und Verletzlichkeit, die viele als ihre stärkste Leistung seit Jahrzehnten bezeichnen. Qualley hingegen verkörpert die aggressive Perfektion des Neuen, glatt, kontrolliert und zugleich bedrohlich.
Besonders eindrucksvoll ist, wie beide Darstellerinnen ihre Körper und Bewegungen aufeinander abstimmen. Die physische Nähe der Figuren verstärkt den Horror und macht deutlich, dass es hier nicht um zwei getrennte Personen geht, sondern um eine zerrissene Identität.
Mehr als reiner Body-Horror
Regisseurin Coralie Fargeat, die bereits mit „Revenge“ Aufmerksamkeit erregte, verleiht dem Genre eine klare eigene Handschrift. „The Substance“ steht in der Tradition von Filmemachern wie David Cronenberg oder Darren Aronofsky, geht aber bewusst darüber hinaus. Der Körper wird nicht nur zur Metapher, sondern zur Ware, die konsumiert, optimiert und schließlich zerstört wird.
Der Film zeigt chirurgische Eingriffe, körperliche Transformationen und explizite Bilder, doch der eigentliche Horror entsteht im Kopf. Fargeat verknüpft das Grauen mit Fragen nach weiblicher Autonomie, gesellschaftlichen Erwartungen und der gnadenlosen Logik eines Marktes, der Jugend über alles stellt. Der Ekel ist nie leer, sondern immer Teil eines größeren Kommentars.

Kritikerliebling mit Festival-Glanz
Bereits bei den Filmfestspielen von Cannes sorgte „The Substance“ für Aufsehen. Coralie Fargeat wurde mit dem Regiepreis ausgezeichnet, Demi Moore erhielt Standing Ovations. Auch später setzte sich der Erfolg fort. Auf Rotten Tomatoes liegt die Zustimmung bei knapp 90 Prozent, Metacritic attestiert dem Film starke Durchschnittswerte. 2025 folgten zahlreiche Auszeichnungen, darunter ein Golden Globe für das beste Drehbuch sowie ein Oscar für das beste Make-up und Hairstyling.
Dass Paramount+ den Film nun ins Programm aufgenommen hat, ist ein klares Signal. Anspruchsvoller Horror muss nicht im Nischenbereich bleiben, sondern kann auch im Streaming ein großes Publikum finden.
Ein Horrorfilm, der nachwirkt
„The Substance“ ist kein Film für einen gemütlichen Abend nebenbei. Er ist fordernd, unangenehm und gerade deshalb so wirkungsvoll. Wer sich auf diesen Body-Horror einlässt, erlebt nicht nur Schockmomente, sondern eine schonungslose Auseinandersetzung mit Schönheitswahn, Selbstoptimierung und der Angst vor dem eigenen Verfall.
Demi Moore und Margaret Qualley erschaffen gemeinsam ein Bild, das sich einprägt und lange nach dem Abspann nachwirkt. „The Substance“ ist Horror von innen heraus und gehört zu den wichtigsten Genrebeiträgen der letzten Jahre.
