Die britische Serienlandschaft bekommt Zuwachs mit einer ungewöhnlich warmherzigen Idee. Am 9. Februar 2026 feiert Small Prophets ihre Premiere bei BBC One und später auch bei BBC iPlayer. Die neue Serie verbindet Alltagsmelancholie, leisen Humor und einen Hauch Magie zu einer Geschichte über Verlust, Hoffnung und sehr kleine Propheten in Einmachgläsern.
Im Zentrum steht ein Mann, der feststeckt. Im Leben, in der Vergangenheit und emotional irgendwo zwischen Baumarktregal und unerledigter Trauer.
Ein Mann, ein Verschwinden und ein sehr britischer Alltag
Michael Sleep, gespielt von Pearce Quigley, lebt seit sieben Jahren in einer Art Warteschleife. Seine Freundin Clea ist verschwunden, ohne Abschied, ohne Erklärung. Seitdem funktioniert sein Leben, mehr nicht. Michael arbeitet in einem Baumarkt in Manchester, geht seiner Routine nach und vermeidet alles, was zu sehr nach Zukunft aussieht.
Diese Mischung aus Stillstand und leiser Verzweiflung ist typisch britisch erzählt. Keine großen Ausbrüche, keine dramatischen Monologe, sondern ein Mensch, der sich damit arrangiert hat, dass Antworten manchmal einfach nicht kommen. Bis sein Vater Brian ihm ein altes Rezept überreicht, das alles verändern könnte.
Homunculi, Prophezeiungen und Hoffnung aus dem Einmachglas
Brians Rezept ist kein metaphorischer Ratschlag, sondern ein buchstäblich magischer Bauplan. Mit Regenwasser, Mist und etwas Alchemie lassen sich Homunculi erschaffen. Kleine geisterhafte Wesen, die angeblich die Zukunft sehen können. Brian wird gespielt von Michael Palin, der der Serie eine zusätzliche Ebene aus sanfter Exzentrik und väterlicher Schrulligkeit verleiht.
Michael ist zunächst skeptisch, doch die Aussicht auf Antworten ist stärker. Unterstützt wird er von seiner Kollegin Kacey, gespielt von Lauren Patel. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, ob diese Wesen wirklich mehr wissen als sie selbst. Natürlich bleibt das Experiment nicht unbemerkt. Eine neugierige Nachbarin und ein seltsamer Vorgesetzter sorgen dafür, dass sich das Chaos langsam ausbreitet.

Mackenzie Crook und die Rückkehr der stillen Magie
Hinter „Small Prophets“ steckt Mackenzie Crook, der nicht nur als Autor, sondern auch als Darsteller und Regisseur beteiligt ist. Für Crook ist es die erste neue Serie seit dem Ende von „Detectorists“ und man merkt sofort, dass hier eine sehr persönliche Idee umgesetzt wird.
Crook erzählt keine laute Comedy. Stattdessen setzt er auf Atmosphäre, schräge Figuren und die leise Magie des Alltäglichen. „Small Prophets“ spielt bewusst in Vorstädten, Gartenhäusern und unscheinbaren Straßen. Genau dort, wo große Serien sonst selten hinschauen.
Ein besonderes Stilmittel sind animierte Elemente, die die Homunculi zum Leben erwecken. Diese Mischung aus Realfilm und Animation verleiht der Serie einen eigenen Ton, der irgendwo zwischen Märchen, Sitcom und melancholischer Alltagsbeobachtung liegt.
Eine Serie über Verlust, Freundschaft und das Warten auf Antworten
Trotz des fantastischen Ansatzes bleibt „Small Prophets“ fest in realen Gefühlen verankert. Es geht um Menschen, die zurückgeblieben sind, um offene Fragen und um die Angst davor, weiterzugehen, ohne zu wissen, was eigentlich passiert ist.
Die Serie stellt keine einfachen Antworten in Aussicht. Selbst wenn man die Zukunft sehen könnte, wäre sie vielleicht nicht das, was man sich erhofft. Gerade darin liegt der Reiz der Geschichte. Magie wird hier nicht als Lösung präsentiert, sondern als Katalysator für Veränderung.
Ein vielversprechender Start für BBC One
Mit sechs Episoden setzt „Small Prophets“ auf eine kompakte Erzählform, die Raum für Charaktere lässt, ohne sich zu verlieren. Der Cast ist stark besetzt, die Idee ungewöhnlich und der Tonfall angenehm unaufgeregt.
Wer Serien wie „Detectorists“, „The End of the F***ing World“ oder britische Dramedys mit Herz mag, dürfte hier fündig werden. „Small Prophets“ ist keine Serie für große Cliffhanger, sondern für Zuschauer, die Freude an kleinen Wundern, schrägen Figuren und leiser Hoffnung haben.
Der Start bei BBC One markiert damit nicht nur die Rückkehr von Mackenzie Crook, sondern auch ein schönes Beispiel dafür, wie britisches Fernsehen weiterhin mutige, eigenwillige Geschichten erzählt.
